Iraola gegen Alonso in Anfield: Der Pokal ist der Anlass, die Identität der Test
Das Carabao-Cup-Duell zwischen Liverpool und Chelsea ist auf dem Papier billige Pokaljagd, zeigt aber, was die neuen Trainer bauen: Chaos und Kontrolle gegen wandelbare Fragilität.
Foto: Mike Pennington / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)
Wen interessiert der Carabao Cup? Viele werden sagen: niemanden – und am Mittwochabend trotzdem Liverpool gegen Chelsea schauen. Unsere Einschätzung: Der Pokal ist das Uninteressanteste an dieser Partie. Interessant ist, dass zwei Trainer, die gemeinsam im Baskenland aufgewachsen sind, erstmals vor aller Augen rivalisierende Kader formen.
Was wir vor dem Spiel wissen
Laut BBC kehrt Xabi Alonso als Chelsea-Trainer nach Anfield zurück, mit einer Bilanz von zwei Spielen und zwei Niederlagen gegen Liverpool als Trainer. Liverpool hat unter Andoni Iraola seine letzten vier Pflichtspiele gewonnen; Iraola nannte Alonso einen „engen Freund“. Er sagte außerdem, es werde „definitiv Änderungen geben“, Liverpool wolle aber gewinnen.
Beide Teams reisen mit Lücken an. Iraola äußerte sich unsicher zu Dominik Szoboszlai und Victor Munoz, bei Florian Wirtz zeigte er sich optimistisch. Bei Chelsea fehlt Joao Pedro mit einer Oberschenkelverletzung, und Sommerneuzugang Emmanuel Emegha, der noch kein Pflichtspiel bestritten hat, ist mitgereist.
Bei der Rotation zeigt sich die Identität
Jeder Trainer sieht mit seiner besten Elf gut aus. Der Pokal zeigt, was bleibt, wenn diese Elf fehlt. Iraolas Satz, „viele Spieler warten auf diesen Wettbewerb, um zu starten“, ist eine Wette darauf, dass seine Ersatzbank an dieselbe Idee von Pressing und Störung glaubt wie die Stammspieler. Hält die zweite Reihe diese Form, hat Liverpool ein System. Bricht sie zusammen, hat es eine erste Elf.
Wir halten das für einen gesunden Test für eine Mannschaft, die laut der Taktikanalyse von Soccertonic im Chaos aufblüht. Chaos lässt sich leicht lieben, wenn Wirtz fit ist und die Beine frisch sind. Viel schwerer ist es mit rotierten Beinen zu reproduzieren, wenn der 35-jährige Virgil van Dijk eine junge Abwehr um Jeremy Jacquet organisiert. Die ersten Eindrücke von Jacquet sind ermutigend, und Van Dijk sagt, die Partnerschaft „entwickelt sich“. Ein Pokalabend mit umgebauter Viererkette ist aber wohl der bessere Belastungstest als ein Sieg gegen Brighton.
Chelseas Problem sind nicht die Tore, sondern die Abwehr
Chelseas Zahlen erzählen eine unausgewogene Geschichte. Wie AOL berichtet, hat das Team in 10 Spielen 25 Tore erzielt, aber 18 kassiert und in der gesamten Saison nur einmal zu null gespielt, gegen den Drittligisten Luton (League One) in genau diesem Wettbewerb. Liverpools eigene Bilanz lautet 28 erzielte und 16 kassierte Tore in 12 Spielen; dicht ist also keine der beiden Defensiven.
Jamie Carraghers Kritik an Maxence Lacroix, der Berichten zufolge 52 Millionen Pfund gekostet hat, ist deutlich: Bei Crystal Palace in einer Dreierkette habe er ihm gefallen, doch er sehe ihn nicht „wohl“, wenn sich Alonsos System in eine Viererkette verwandelt. Carragher ist eine Liverpool-Legende, das ist entsprechend einzupreisen. Dennoch erscheint uns die zugrunde liegende Spannung real. Ein wandelbares System verlangt von Verteidigern, in mehr als einer Struktur beweglich und entschlossen zu sein. 52 Millionen Pfund für einen Verteidiger zu zahlen, den Carragher als Spieler einer Dreierkette sieht, und ihm dann etwas anderes abzuverlangen, ist eine Frage der Kaderplanung und nicht bloß ein Formtief.
Worauf wir achten und was es bedeutet
Das Ergebnis sollte nicht der Maßstab sein. Ein Elfmeterschießen ist möglich, und Iraola sagte, seine Mannschaft übe es immer; es würde uns also nichts über die Identität verraten.
Achten Sie stattdessen auf drei Dinge:
- Übersteht Liverpools Pressing die Änderungen?
- Bleibt Chelseas Abwehr organisiert, wenn Alonso die Formation wechselt?
- Bekommen die jungen Spieler, etwa Chelseas 16-jähriger Mahdi Nicoll-Jazuli, Einsatzzeit, oder wird es ein enger Überlebenskampf?
Unser Urteil: Iraola hat derzeit das stimmigere Projekt, weil sein Kader für die Idee gebaut scheint, die er verkauft. Alonso hat den besseren Angriff und die größere ungeklärte Frage. Findet Chelsea keinen Verteidiger, um den es sich aufbauen lässt, wie Carragher argumentiert, ist der Pokal das geringste seiner Probleme. Die Trophäe ist es wert. Die Erkenntnis ist mehr wert.
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