HSV verliert gegen Frankfurt, doch die Niederlage zeigt: Hamburg ist erwachsen geworden
Das 1:3 im Pokal war eine Geschichte vergebener Chancen, nicht eines Klassenunterschieds. So sieht ein Team mit echten Bundesliga-Nerven aus, auch wenn es das noch beweisen muss.
Foto: niko_stra / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)
Ist es ein Fortschritt, wenn man ein Heimspiel im Pokal 1:3 verliert? Im Fall Hamburgs lautet unsere Antwort: ein vorsichtiges Ja. Die unbequemere Frage ist, ob das reicht.
Was passiert ist: ein fairer Kampf, ein unfaires Ergebnis
Am Dienstag hat Eintracht Frankfurt im Volksparkstadion gewonnen und ist ins Achtelfinale des DFB-Pokals eingezogen. Robin Koch, Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib trafen für die Gäste, Terem Moffis spätes Tor war nur noch Ergebniskosmetik, wie Der Spiegel berichtet.
Zur Pause stand es 0:0, und Hamburg hatte die klareren Chancen. Die Sportschau beschrieb die Partie als Fall von Frankfurt, das die Verschwendung des HSV bestraft. Dabei musste Hamburg auf sechs Stammspieler verzichten, darunter Kapitän Nicolai Remberg.
Die Ausreden sind berechtigt, aber die Lehre betrifft die Chancenverwertung
Merlin Polzin hat ein Argument. Er sagte, der ausgebliebene Pfiff nach Kochs Einsteigen gegen Zakaria El Ouahdi hätte klar zu einem Elfmeter führen können, und mit einem Strafstoß hätte das Spiel anders ausgesehen. Wir stimmen zu: Für Frankfurt war das eine glückliche Entscheidung. Aber eine Elfmeterforderung ist kein Plan.
Das Problem war simpler. Hamburg hatte vor der Pause die besseren Chancen und traf nicht. Dann köpfte Moffi bei einer Ecke, bei der Frankfurts Abwehr und Torhüter sich allesamt verschätzten, aus wenigen Metern am Tor vorbei. Das ist der Unterschied zwischen einer Mannschaft, die mithält, und einer, die gefährlich ist. Frankfurts Nationalstürmer brauchten nur ein paar hohe Bälle auf den langen Pfosten, um das zu zeigen.
Trotzdem lohnt sich der Blick darauf, was das als Ausgangsbasis bedeutet. Hamburg hat hier ein ausgeglichenes Spiel gegen eine Mannschaft geliefert, die laut dem Podcast des Abendblatts einen etwa doppelt so hohen Gesamtmarktwert wie der HSV hat. Ein solches Spiel in Details statt an der Klasse zu verlieren, ist aus unserer Sicht oft die Art von Niederlage, auf die eine bessere Saison folgt. Wir vermuten, dass ein Team, das noch daran zweifelt, ob es auf dieses Niveau gehört, an diesem Abend kleiner gewirkt hätte.
Nerven sind eine Kaderfrage, keine Stimmung
Unsere These: Selbstvertrauen ist in einer Liga wie dieser keine Stimmung, sondern Kadertiefe. Hamburg fehlten sechs Stammspieler und drängte Frankfurt trotzdem über weite Strecken zurück. Nach dem Rückstand folgte als Reaktion Wut und Angriff auf Angriff, kein Zusammenbruch. Das sind gute Zeichen, und wir würden sie als frühe Belege für einen Kader mit Nerven werten.
Aber ein Kader mit echten Bundesliga-Nerven trifft auch. Er braucht keinen Fehler des gegnerischen Torhüters, bevor er einen Treffer erzielt. Er kann Phasen der Dominanz in eine Führung ummünzen. Genau das haben wir noch nicht gesehen, und genau das entscheidet über Tabellenplätze.
Einen kleinen Trost gibt es außerdem: Das Wiedersehen folgt schnell. Am Sonntag reist der HSV zu einem Bundesliga-Spiel nach Frankfurt, und das Pokalspiel liefert Hamburg einen kostenlosen Scouting-Bericht. Frankfurt wiederum hat laut Podcast eigene Turbulenzen, deshalb würden wir den Dienstag für keinen der beiden Klubs als Urteil werten.
Unser Fazit
Man sollte das weder als Scheitern noch als Triumph lesen. Hamburg hat genug gezeigt, um anzudeuten, dass die alten Ängste, falls es sie gab, verblassen. Es hat nicht genug gezeigt, um zu sagen, dass es zu den besseren Mannschaften der Bundesliga gehört. Der Sonntag zählt mehr als der Dienstag: Wenn Polzin ein paar Verletzte zurückbekommt und die Chancenverwertung sich auch nur leicht verbessert, wird dieses Pokal-Aus wie eine nützliche Lehre aussehen. Wenn nicht, wird „Pech“ bald nach einer Ausrede klingen.
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