Chinas LaLiga-Blackout zeigt, wie eine beiläufige Bemerkung eine Wachstumswette kippt
CCTV hat LaLiga nach Mbappés Mao-Äußerung aus dem Programm genommen. Die Lehre reicht über einen Spieler hinaus: Eine Liga darf ihr Wachstum nicht auf das Wohlwollen eines Marktes bauen.
KI-generiertes Bild
Was kostet ein Markt wirklich, den man nicht kontrolliert? LaLiga lernt das in dieser Woche, und die Rechnung kam von einer einzigen Antwort in einem einzigen Interview.
Das ist passiert. Laut EFE zeigte Chinas Staatssender CCTV am Samstag kein einziges LaLiga-Spiel. Die Berichterstattung hatte er am Montag zuvor ausgesetzt, nachdem Kylian Mbappé ein Meme, das sein Gesicht über ein Bild von Mao Zedong legt, als „chinesischen Diktator“ bezeichnet hatte. Mao nannte er nicht beim Namen. Mehrere chinesische Unternehmen beendeten ihre Verträge mit ihm (drei davon, laut eleconomista.com.mx), und Mbappé entschuldigte sich auf Französisch, Chinesisch und Englisch.
Die Entschuldigungen haben bislang nichts bewirkt. LaLiga-Präsident Javier Tebas schrieb an die China Media Group, und CMG erklärte, einen Brief erhalten zu haben, in dem sich auch Real Madrid entschuldigte. Ob das genügt und wann die Übertragungen zurückkehren könnten, ließ CMG offen. Die Streaming-Plattform Migu, exklusiver digitaler Partner von LaLiga in China bis 2029/30, behielt fast das gesamte Wochenendprogramm bei. Die einzige Ausnahme war Racing de Santander gegen Real Madrid, das in ihrem Programm nicht auftaucht.
Der Blackout warnt vor dem Geschäftsmodell, nicht vor Mbappé
Es ist verlockend, daraus die Geschichte eines Spielers zu machen, der besser geschwiegen hätte. Wir halten diese Lesart für zu bequem. Spieler werden weiter reden, in Interviews, in sozialen Netzwerken und in jeder Sprache. Eine Liga, die sich weltweit vermarktet, kann nicht jede Äußerung als seltenen Unfall behandeln. Es ist ein dauerhaftes Risiko, und die, die es tragen, sind nicht die, die sprechen.
Man sollte darauf schauen, wer zahlt. Nicht Mbappé allein, auch wenn er Sponsoren verloren hat. Durch die Aussetzung fielen Villarreal gegen Espanyol, Levante gegen Atlético und Barcelona gegen Alavés aus dem CCTV-Programm, dazu eine lange Reihe von Spielen, die mit der Bemerkung nichts zu tun haben. Vereine ohne Bezug zur Kontroverse verlieren Reichweite in einem Markt, der wegen seines Publikums und seiner Vertriebsverträge als strategisch gilt. Das ist die Definition eines gemeinsamen Risikos, das niemand eingepreist hat.
Migu ist das Polster – und der Beweis, wie dünn es ist
Das einzig Beruhigende ist, dass die digitale Plattform weiter Spiele zeigte. Im August hatte LaLiga eine Vereinbarung mit China Mobile Migu angekündigt, alle 380 Spiele pro Saison im chinesischen Festland für vier Spielzeiten zu übertragen. Der Schaden konzentriert sich also vorerst auf das Staatsfernsehen. Das ist real und sollte nicht kleingeredet werden.
Doch es gibt die andere Seite. Migu ist laut einem von eleconomista.com.mx verbreiteten AFP-Bericht mit China Mobile verbunden, einem staatlich kontrollierten Unternehmen. EFE stellte außerdem fest, dass Migu keine Spiele von Real Madrid aus August oder September zeigt, während die übrigen Ergebnisse der Liga abrufbar bleiben. Ein Partner, der das eigene Produkt über Nacht umgestalten kann, bedeutet keine Diversifizierung. Es ist dieselbe Abhängigkeit in anderer Form. Dass die Plattform weiter sendet, werten wir nicht als sicheren Boden. Es wirkt wie ein Gefallen, der sich zurücknehmen lässt.
Was LaLiga jetzt tun sollte
Unsere Einschätzung: Schnell um Entschuldigung zu bitten war vertretbar, denn die Liga stand vor einem kommerziellen Notfall, und Widerstand hätte alles verschlimmert. Mbappé, Tebas und Real Madrid haben sich entschuldigt, und es hat nicht gereicht. Die Strategie darf also nicht bei Briefen enden. Erstens braucht LaLiga ein mit Vereinen und Spielern abgestimmtes Krisenprotokoll, damit Media-Training für globale Märkte Routine ist und keine Reaktion. Zweitens, und wichtiger: China sollte als eine von mehreren Wachstumslinien gelten, nicht als die Antwort. Umsatzpläne, die voraussetzen, dass ein Markt freundlich bleibt, sind keine Pläne, sondern Hoffnungen.
Wir würden auch die Verhältnismäßigkeit wahren. Das wirtschaftliche Ausmaß ist unbekannt: Weder der Wert der beendeten Verträge noch die Folgen für die Übertragungsrechte sind öffentlich. Möglicherweise verpufft das Ganze schnell. Wir sagen keinen Zusammenbruch voraus.
Das Urteil ist einfach. Mbappé die Schuld zu geben ist leicht und ändert nichts. Die Liga, die eine globale Marke aufgebaut hat, braucht eine Aufstellung, die eine schlechte Woche in einem einzelnen Land übersteht. Bis dahin ist jedes Interview eine Verhandlung, auf die sich LaLiga nie eingelassen hat.
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