Tennis
Sportsfera-Redaktion
Tennis

Alcaraz' Wien-Lauf verrät weniger über den Herbst als über ein gesundes Handgelenk

Carlos Alcaraz erreichte das Finale in Wien ohne Satzverlust. Die naheliegende Deutung lautet, er spiele spät in der Saison am besten, doch die bessere: Er ist endlich wieder gesund.

Veröffentlicht
1. November 2026
Lesezeit
3 min
Kategorien
Tennis

KI-generiertes Bild

Ist Carlos Alcaraz ein Spieler, der schlicht besser wird, wenn das Laub fällt? Es ist eine hübsche Theorie, und Wien lädt dazu ein. Wir halten die hübschere Theorie aber auch für die bequemere.

Das wissen wir. Alcaraz besiegte Daniil Medwedew am Samstag mit 6:4, 7:6 (7:2) und erreichte damit sein erstes Finale in Wien. Laut Líder en Deportes hat er im gesamten Turnier keinen Satz abgegeben. Auf ATP-500-Niveau ist er seit 15 Spielen ungeschlagen. Am Sonntag wartet Alex de Minaur, der den künftigen Weltranglistenersten Alexander Zverev niedergerungen hat, 6:4, 1:6, 7:6 (7:4), und alle sechs bisherigen Duelle mit Alcaraz verloren hat.

Die Geschichte vom „Herbst-Alcaraz“ ist zu bequem

Ein siebenfacher Grand-Slam-Sieger wirkt Ende Oktober in der Halle stark, und schon erklären wir ein saisonales Muster. Wir überzeugt das nicht. Die Berichterstattung zeigt vor allem ein Jahr 2026, das von einer Verletzung am rechten Handgelenk geprägt war, die ihn, wie La Opinión de Murcia festhält, lange von den Plätzen fernhielt. Ein Spieler, der nach Monaten der Pause zurückkehrt, wirkt naturgemäß frischer als Rivalen, die die ganze Saison durchgespielt haben.

Das ist kein Muster; wir würden es einen Kalendereffekt nennen. Alcaraz steht in dieser Saison bei 37:5, ein hervorragender Wert, doch diese Spiele verteilen sich auf weniger Monate. Frische Beine und ein Handgelenk, dem er voll vertraut, erklären das Ergebnis gegen Medwedew mindestens ebenso gut wie eine mystische Vorliebe für den November.

Auch die Bilanz enthält einen Einwand. El Confidencial verweist auf einen Ausrutscher in Shanghai, und das in einer Saison, die bereits einen Titel in Tokio umfasst. Wäre der Herbst sein natürliches Terrain, würden wir weniger Wackler darin erwarten. Wir lesen das als einen Spieler, der seinen Rhythmus vor aller Augen wiederfindet, und das schnell.

Der Sieg über Medwedew in der Halle ist der eigentliche Beleg

Das Spiel, das uns überzeugt, ist keine Statistik. Es ist der Verlauf des Halbfinales gegen Medwedew. Laut Heraldo führte er im zweiten Satz 4:2, sah Medwedew auf 4:4 herankommen und entschied den Satz dann im Tiebreak. Alcaraz selbst sagte, es sei ein tolles Gefühl, „jemanden wie Daniil in der Halle zu schlagen, nach der (Serie), die er hatte“.

Zu gewinnen, wenn der Gegner gut spielt, und nicht erst, wenn er einbricht, verlangt das Tennis zum Saisonende. In Turin treffen die acht besten Spieler der Saison aufeinander, ohne leichte Auftaktrunden. Ein Spieler, der einen Medwedew-Lauf auffangen und trotzdem die entscheidenden Momente für sich entscheiden kann, wirkt für dieses Format gemacht. Das ist unsere Meinung, keine Garantie, aber es ist das bessere Argument als „Er mag den Herbst“.

De Minaur ist gefährlich und bleibt dennoch Außenseiter

Den Australier sollte man nicht abschreiben. Gegen Zverev schlug er 25 Winner, spielte mit dem, was der Guardian „Intensität auf dem vorderen Fuß“ nannte, und sein Sieg bringt ihn zurück in die Qualifikationsränge für die Finals. Mit einem Titel in Wien würde er von Platz 10 auf Platz 7 springen. Er hat jeden Anreiz, frei aufzuspielen.

Die direkte Bilanz ist jedoch brutal: 0:6, darunter die diesjährigen Australian Open sowie die Finals in Queen's 2023 und Rotterdam 2025. De Minaurs Rezept gegen Zverev, ein aggressiver Tiebreak „zu meinen Bedingungen“, ging in einem Spiel auf, in dem Zverev die Kräfte ausgingen und er gereizt wurde. Alcaraz wird eine solche Lücke seltener lassen. Wir erwarten seinen Sieg, auch wenn uns ein langer Nachmittag nach De Minaurs zweieinhalb Stunden am Samstag nicht überraschen würde.

Sollte Alcaraz gewinnen, wäre es sein 28. Titel, mit dem er, laut Sport Aragón, an David Ferrer vorbeiziehen würde.

Unser Urteil: Favorit ja, Gejagter noch nicht

Ein Titel in Wien würde Alcaraz wohl zum formstärksten Spieler auf dem Weg nach Turin machen. Weiter würden wir nicht gehen und ihn zum Mann erklären, den es zu schlagen gilt. Zverev steht kurz davor, Weltranglistenerster zu werden, Medwedew hat sich seinen eigenen Platz in Turin gesichert, und eine starke Woche löscht die Monate nicht aus, die Alcaraz verpasst hat.

Unser Rat: Die kommende Woche in Paris und die Gruppenphase in Turin als wahren Test beobachten. Wenn er weiter Spiele wie das gegen Medwedew gewinnt, hat sich das Etikett „Herbsthoch“ seinen Platz verdient. Bis dahin sollte man es beim Namen nennen: ein sehr guter Spieler, wieder gesund und zum richtigen Zeitpunkt.

Diskussionsthemen

Noch keine Themen: Eröffne das erste.

Weitere Artikel