Sporting setzt auf Fonsecas Renommee – und das ist riskanter, als es aussieht
Sporting trennt sich Monate nach der Vertragsverlängerung von einem Double-Trainer und setzt wohl auf den Lebenslauf statt auf Kontinuität. Eine französische Schlagzeile deutet die Kosten an.
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Was tut ein Klub, dessen Trainer eine Meisterschaft und einen Pokal gewonnen und das Viertelfinale der Champions League erreicht hat und der dennoch neun Punkte Rückstand auf den Tabellenführer nicht überlebt? Wer Sporting heißt, übergibt die Schlüssel an einen größeren Namen und hofft, dass der Lebenslauf den Rest erledigt. Wir halten das für vertretbar. Wir halten es aber auch für deutlich riskanter, als es die einfache Erzählung von der Ankunft eines großen Namens nahelegt.
Sporting suchte schon einen Nachfolger für Borges, während er noch um seinen Job kämpfte
Laut Observador verlässt Rui Borges den Klub, nachdem er mit Präsident Frederico Varandas über die Auflösung seines bis 2028 laufenden Vertrags gesprochen hat. Tiago Fernandes von der B-Mannschaft übernimmt interimsweise für das Champions-League-Spiel gegen Schachtar.
Paulo Fonseca, der nach dem 2:0 von Lyon gegen Angers auf dem Platz weinte, gilt als erwarteter Nachfolger, auch wenn der Klub sagt, er werde seinen neuen Trainer erst im Laufe dieser Woche bekannt geben. Sein Debüt käme voraussichtlich am Samstag gegen Moreirense. Die von Sapo übernommene Berichterstattung von Observador besagt, dass mit Lyon eine Einigung erzielt wurde, dass Borges wusste, dass sondierende Kontakte zu möglichen Nachfolgern liefen, und dass eine noch ausstehende Summe von mehr als 6,5 Millionen Euro aus dem Transfer von Afonso Moreira die Lösung erleichterte.
Kontinuität war das Erste, was Sporting aufgab
Jetzt wird es unbequem. Borges wurde im Mai verlängert, der Präsident lobte öffentlich das Double und den Lauf in der Champions League. Innerhalb weniger Monate kippte das Urteil: durch eine Heimniederlage gegen Académico de Viseu und einen Absturz auf neun Punkte Rückstand auf Porto. Unserer Einschätzung nach machte der Klub ihn binnen weniger Wochen vom Projekt zum Problem.
Augusto Inácio machte bei Observador einen großen Teil der Schuld am eigenen Sommer des Klubs fest: Fünf oder sechs Stammspieler seien gegangen, und das sei nicht das Werk eines Trainers. Wir würden weiter gehen. Wer die halbe Mannschaft umbaut und seinen Abwehrchef und die Stimme im Mittelfeld verliert, für den ist der Trainer das billigste Teil, das sich austauschen lässt. Ein neuer Name an der Seitenlinie bringt weder Diomande noch Hjulmand zurück – das ist unsere Meinung, kein Urteil der Statistik.
Observador zufolge war der Plan mittelfristig angelegt: ein Trainer für ein Projekt, nicht für eine Rettungsaktion. Das ist schlüssig. Es macht den Zeitpunkt aber seltsam: ein mittelfristiges Projekt, gestartet mitten in einer Champions-League-Kampagne und in einem Titelrennen, in dem man schon neun Punkte zurückliegt.
Fonsecas Lebenslauf ist echt – und er hat ein Sternchen
Das Argument für ihn ist leicht zu schreiben. Er hat Erfahrung in Portugal, mit Paços de Ferreira, Porto und Braga. Er gewann Titel bei Schachtar und arbeitete bei Roma, Lille, Mailand und Lyon. Inácio nannte seine Verpflichtung eine Gewissheit und sagte, überall, wo er gewesen sei, habe er gute Ergebnisse erzielt.
Das Argument dagegen steht, zumindest als Schlagzeile, bei Record. Der Beitrag über den Abschied der französischen Presse trägt den Titel „Wunder, wenn man sie am wenigsten erwartet, Misserfolge in den entscheidenden Momenten“ (eigene Übersetzung). Uns liegt nur die Schlagzeile vor, nicht der volle Text; wir tun also nicht so, als kennten wir alle Beispiele dahinter. Doch wenn dieser Ruf berechtigt ist, liegt er nah an dem Makel, der Borges schadete. Ihn brachten vor allem Ergebnisse in den großen Momenten zu Fall: die Niederlage gegen Midtjylland, die Niederlage gegen Viseu, zwei 2:0-Führungen, die im Remis endeten. Einen Trainer mit einem solchen Ruf zu verpflichten, ist keine Lösung. Es ist eine Wette auf sein Potenzial.
Hinzu kommt der Kontext. In Lyon musste Fonseca im Herbst nach Verletzungen die Offensive improvisieren, und CNN Brasil erinnert an eine 0:3-Niederlage in der Europa League gegen Hoffenheim und eine 0:2-Niederlage gegen PSG. Er sagt, er sei es gewohnt, sich an die vorhandenen Optionen anzupassen. Sportings Problem sieht ähnlich aus: ein ausgedünnter, kein leerer Kader.
Unser Urteil
Wir würden es eine ordentliche Verpflichtung nennen, aus den falschen Gründen und zum schlechtesten Zeitpunkt. Fonseca wirkt wie eine vernünftige Wahl, und seine Erfahrung in Portugal verkürzt vermutlich die Eingewöhnung. Doch der Vorstand kauft Erleichterung, keine Lösung. Wenn Varandas glaubt, der neue Trainer repariere einen Kader, dessen Umbruch im Sommer laut Inácio selbst die Krise verursacht hat, wird er in einem Jahr wieder vor derselben Frage stehen.
Worauf sollten Sporting-Fans achten? Nicht auf das erste Spiel, das sich wahrscheinlich schon deshalb besser anfühlen wird. Man sollte darauf schauen, wie Sporting reagiert, wenn es zum ersten Mal mit zwei Toren führt oder einen Champions-League-Abend erlebt, an dem ein Sieg Pflicht ist. Dort ist Borges gescheitert, und dort scheitert nach der Schlagzeile von Record laut der französischen Presse manchmal auch Fonseca. Übersteht er diese Momente, hält das Renommee-Argument. Wenn nicht, hat Sporting einen Trainer mit einem Makel gegen einen anderen getauscht und vermutlich auch noch eine Ablöse an Lyon gezahlt.
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