Antonellis wahre Prüfung in Mexiko ist nicht Tempo, sondern Warten
Kimi Antonelli gewann in Austin von der Pole, doch der Titel muss eine Woche warten. Was Mexiko von ihm verlangt, ist neu und sagt viel über Russells Saison.
Foto: Liauzh / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Was tut man, wenn man alles richtig gemacht hat und der Pokal trotzdem nicht überreicht wird? Diese Frage steht nach Austin über Kimi Antonelli, und sie ist deutlich unbequemer als "Wie schlägt man Verstappen bis zur ersten Kurve?".
Die Fakten sind schnell erzählt. Antonelli startete von der Pole und gewann den Großen Preis der USA, sein neunter Saisonsieg. Doch George Russell wurde Achter, und wie Rai News berichtet, wird die Titelfeier um eine Woche verschoben. Für die vorzeitige Entscheidung brauchte es ein bestimmtes Rezept, das Il Fatto Quotidiano vor dem Rennen darlegte: Sieg, Russell Neunter oder schlechter, Hamilton Fünfter oder schlechter. Russell kam einen Platz zu weit vorn ins Ziel, also zieht die Party am 1. November nach Mexiko-Stadt um.
Austin war der leichte Teil, und genau darum geht es
Man könnte sagen, Antonelli habe eine Chance verpasst. Wir sehen das nicht so. Die Entscheidung hing immer davon ab, dass sein Teamkollege und Hamilton einige Plätze verlieren, und Sky Sports selbst sprach von einer "Außenseiterchance". Was er selbst in der Hand hatte, lieferte er: Pole und Sieg.
Interessanter ist der Kontext. Motorsport.com wies darauf hin, dass Mercedes nach zwei schwierigen Wochenenden in Malaysia und Singapur anreiste und beweisen musste, dass der aktualisierte W17 weiter vorn mitmischen kann. Das gelang. Antonelli selbst räumte nach Singapur ein, er habe das Gefühl, nicht besonders gut gefahren zu sein. Ein Fahrer, der das offen sagt und dann mit Pole und Sieg antwortet, zeigt das Gegenteil von Fragilität.
Mexiko ist ein Drucktest, aber nur ein psychologischer
Hier würden wir das Etikett "Drucktest" relativieren. Auf dem Papier ist Mexiko das denkbar freundlichste Umfeld. Die Rechnung von Il Fatto zeigt, dass er über Austin und Mexiko zusammen nur den bereits bestehenden Vorsprung wahren muss und sich gegenüber jedem Rivalen einige Punkte Verlust leisten kann. Schon vor Austin war sein Vorsprung größer als die nach Mexiko noch zu vergebenden Punkte. Er braucht keine heroische Fahrt. Er braucht ein langweiliges Wochenende.
Genau deshalb ist es schwer. Rennfahren fällt leicht, wenn das Ziel lautet, schneller zu sein. Viel schwerer ist es, wenn das Ziel lautet, nichts zu verderben. Ein 20-Jähriger, der kurz davorsteht, der jüngste Champion aller Zeiten zu werden (laut Sky hält Vettel den Rekord, der 2010 mit 23 Jahren Weltmeister wurde), muss nun sieben Tage lang Fragen nach dem Motto "Es ist zum Greifen nah" aushalten. Nach Singapur sagte er selbst, er wisse, dass es sehr nah sei, müsse aber weiter sein Bestes geben. Gut. Das zu sagen ist eine Sache. Es in einem Fahrerlager voller Kameras zu leben, eine andere.
Wir halten einen Champion in Mexiko weiterhin für das wahrscheinlichste Ergebnis, und die Zahlen stützen das. Doch bei einem Wackler, einer Berührung in der ersten Runde oder einer zu vorsichtigen Fahrt, die Punkte kostet, würden wir erfahren, was für ein Champion er ist. Hinzu kommt: Italien hat laut Rai News seit Alberto Ascari 1953 keinen Weltmeister mehr gestellt. Dieses Gewicht ist nicht gering.
Russells Saison ist der stille Verlierer dieser Geschichte
Schauen Sie, wer in Austin nicht geholfen hat. George Russell, Antonellis Teamkollege und vor dem Wochenende Zweiter der Gesamtwertung, wurde Achter. Vor dem Rennen meldete Sky, er sei nach einem von einer Motorstrafe geprägten Singapur-Rennen mehr als 100 Punkte zurückgefallen. Wie auch immer die Einzelheiten aussehen: Das Bild zeigt einen Fahrer, der einen Großteil des Jahres versucht hat, seinen eigenen Teamkollegen einzuholen, und nun faktisch Statist bei der Krönung eines anderen ist.
Ist das hart? Vielleicht. Wir kennen nicht alle Rückschläge Russells, und Strafen sind nicht dasselbe wie Tempo. Aber ein Titelkampf, in dem der Zweitplatzierte mehr als 100 Punkte zurückliegt, ist aus unserer Sicht kein Kampf. Es ist ein Countdown. Mercedes wird das als Triumph verkaufen, und der große Vorsprung in der Konstrukteurswertung vor Ferrari macht Widerspruch schwer, doch intern wird die Frage wohl bleiben, warum das eine Auto so viel mehr geliefert hat als das andere.
Unser Fazit
Austin ist kein verschobener Titel. Es ist ein bestellter, aber noch nicht gelieferter Titel. Antonelli hat alles getan, was in seiner Hand lag, Mexiko verlangt von ihm nur, ein Desaster zu vermeiden, und Brasilien bleibt als Reserve. Unser Rat: In Mexiko weniger auf seine Rundenzeiten achten als auf seine Gelassenheit in den ersten zehn Minuten. Ist er dort ruhig, ist der Rest eine Formsache. Wenn nicht, wissen wir etwas Wertvolleres als nach einem weiteren Sieg.
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