Ferraris Tempo in Austin ist echt, doch die Track Limits verzerren das Bild
Ferrari war in jeder Session in COTA vorn, doch 207 gestrichene Runden und ein Kampf von fünf oder sechs Autos um die Pole bedeuten: Am Ende gewinnt, wer die Prüfung der weißen Linie übersteht.
Foto: Edwin van Nes from IJsselstein, Netherlands / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)
Ist eine Zeitenliste noch ein Beweis, wenn ein großer Teil davon gelöscht wird? Diese Frage hängt über Austin, wo Ferrari jedes Training angeführt hat und dennoch niemand, auch Ferrari selbst nicht, das Team zum Favoriten ausrufen will.
Was tatsächlich passiert ist
Charles Leclerc war in beiden Freitagssessions der Schnellste und lag im zweiten Training um 0,042 Sekunden vor Mercedes-Fahrer Kimi Antonelli, so die BBC. Am Samstag fuhr Lewis Hamilton im dritten Training die Bestzeit, vor Max Verstappen und Leclerc, sodass Ferraris Seriensieg erhalten blieb. Seine schnellste Runde wurde Berichten zufolge wegen Überschreitens der Streckenbegrenzung gestrichen, und die Spitzenposition blieb trotzdem bestehen.
Auffällig ist das Ausmaß des Problems. GPfans berichtete, dass beim US-Grand-Prix 207 Runden gestrichen wurden, und Formula1.com vermerkt, dass auch Verstappens schnellster Versuch im ersten Training darunter war. Im dritten Training setzte sich das fort.
Ferraris Tempo ist echt, aber nicht entscheidend
Gerechtigkeit für Ferrari: Das Update, das PlanetF1 als aerodynamisch beschreibt, mit Änderungen an Unterboden, Seitenkästen und Diffusor, scheint zu funktionieren. Das Auto wirkt in den Kurven stark, und im letzten Sektor findet Leclerc weiter Zeit. Das ist keine Fata Morgana, die durch gestrichene Runden entsteht.
Doch „schnellster“ und „Favorit“ sind zwei Paar Schuhe. Verstappen war in den Longruns am Freitag laut BBC im Schnitt minimal schneller als Leclerc, und GPblog sah beide nur 0,002 Sekunden pro Runde auseinander. Eine Telemetrieanalyse von Scuderia Ferrari Fans legt nahe, dass der SF-26 auf den Vollgasabschnitten rund eine halbe Sekunde verliert, weist aber darauf hin, dass Ferrari am Freitag womöglich eine ältere Antriebseinheit fuhr und das Defizit das reale Problem daher überzeichnen könnte. Leclerc selbst spielte die Fortschritte herunter. Und Hamilton lag im zweiten Training 0,615 Sekunden hinter seinem Teamkollegen – das Update ist also kein Allheilmittel.
Unsere Einschätzung: Ferrari hat das beste Qualifying-Auto um Haaresbreite, nicht mit Vorsprung. Teamchef Frédéric Vasseur sagte sinngemäß dasselbe: Er glaube, es gebe „fünf oder sechs Autos, die um die Pole kämpfen können“. Bei so engem Feld ist ein Vorsprung von wenigen Hundertstel kleiner als das Rauschen.
Wenn die weiße Linie die Pole entscheidet, hat der Sport ein Problem
Jetzt wird es unbequem. In einem so engen Duell zählt die Runde, die die Überprüfung übersteht. Wenn Fahrer ihre besten Versuche regelmäßig verlieren, wird das Qualifying zum Test, wer bis an eine unsichtbare Kante gehen kann, ohne sie zu überschreiten – auf einer holprigen Strecke, die Leclerc im ersten Sektor als „sehr schlecht“ bezeichnete. Das ist eine Fähigkeit, gewiss. Aber eine andere als die, die Fans zu sehen glauben.
Unserer Ansicht nach liegt die Schuld weniger bei den Fahrern als bei Strecke und Regelwerk. Wenn 207 Runden verschwinden, fängt das Kontrollsystem keine seltenen Fehler mehr ab, sondern formt die Session um. Fahrer müssen Spielraum lassen, den das Layout offenbar nicht begünstigt, und es droht, dass die Pole an den geht, der bei der Prüfung Glück hatte, nicht an den Schnellsten.
Ferrari ist hier nicht das Opfer. Hamiltons schnellste Runde im dritten Training wurde laut einem Threads-Beitrag ebenfalls gestrichen, und die Spitzenzeit blieb bestehen. Genau das ist der Punkt: Alle werden gestutzt, niemand kann sicher sein, wie die wahre Reihenfolge aussieht, und die Zuschauer blicken auf Zeiten mit Sternchen.
Was die FIA tun sollte
Die Lösung ist nicht exotisch. Entweder werden die Grenzen an den Kurven, die ständig Verstöße hervorbringen, physisch selbst durchgesetzt, oder Fahrer und Fans erhalten klarere und schnellere Informationen darüber, welche Runden zählen. Streichungen erst im Nachhinein zu entdecken, macht aus einer Qualifying-Stunde ein Rechtsverfahren. Wir wissen nicht genau, was die FIA nach dem Freitag geändert hat, aber das dritte Training deutet darauf hin, dass es nicht genügte.
Fazit
Man darf Ferraris Tempo glauben, sollte es aber nicht krönen. Das Auto wirkt schnell, die Longruns zeigen, dass Red Bull direkt dran ist, und Mercedes ist in Reichweite. Unsere Prognose, und mehr ist es nicht: Die Pole entscheidet sich in einer einzigen Runde, die innerhalb der Linien bleibt, und wir werden den Samstagabend damit verbringen zu streiten, ob es die schnellste war. Die Formel 1 sollte diese Debatte nicht wollen. Die Track Limits in den Griff bekommen, und die Stoppuhr erzählt wieder die Geschichte.
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