Dortmund zeigt: Deutschland ist Dartsports nächster Großmarkt – darauf sollte man bauen
Ein Neun-Darter, ein gestürzter Titelverteidiger und ein wachsender Preisgeldtopf: Die European Championship zeigt, warum die PDC Deutschland als Heimat sehen sollte, nicht als Tourstation.
KI-generiertes Bild
Ist ein Turnier noch eine „Tourstation“, wenn Halle, Publikum und Geld sich wie bei einem Heimspiel verhalten? Drei Tage nach Beginn der European Championship meinen wir: nein. Aus dem Besuch ist etwas geworden, das einem Wohnsitz ähnelt.
Das Turnier begann am Donnerstag, dem 22. Oktober, in der Westfalenhalle, und schon das erste Match lieferte die Schlagzeile. Luke Woodhouse warf im vierten Leg gegen Dirk van Duijvenbode einen Neun-Darter, wie Sky Sports berichtet, und gewann anschließend mit 6:3.
Die Dramatik ging weiter. Titelverteidiger Gian van Veen überstand die erste Runde, als erster Titelträger seit 2018 gewann er bei diesem Turnier ein Match, verlor aber am Samstagnachmittag mit 6:10 gegen Woodhouse. Michael van Gerwen schied in Runde eins gegen Kevin Doets aus, und Luke Humphries zog wegen einer Magen-Darm-Erkrankung zurück. Der Deutsche Martin Schindler erreichte die zweite Runde, während Niko Springer gegen Jonny Clayton unterlag.
Chaos ist das Produkt, und in Deutschland verkauft es sich
Man betrachte, was das Publikum geboten bekam: ein perfektes Leg zum Auftakt, das Ende der Regentschaft eines Titelträgers, einen vierfachen Champion, der schon am zweiten Tag raus war, und einen Topspieler, der kurzfristig ersetzt wurde. Kim Huybrechts, der späte Nachrücker, gewann sein Auftaktmatch mit 6:1 und einem Average von 103,81. Darts ist in Bestform unberechenbar und laut, und ein Dortmunder Publikum macht aus dieser Unberechenbarkeit ein Spektakel.
Das ist aus unserer Sicht der eigentliche Beleg für die These von Deutschland als Heimat. Das Land stellt nicht bloß einen Termin im Kalender, es liefert die Atmosphäre, die der Sport verkauft. Selbst Luke Littler, 17, wurde bei seiner Ankunft wieder vereinzelt ausgebuht, wie der WDR festhielt. Was auch immer man davon hält: Es ist der Klang eines Publikums mit Meinung, und genau das wünscht sich eine Sportart.
Das Geld zeigt: Die PDC ist längst überzeugt
Man folge dem Preisgeld. Laut darts1.de stieg die Gesamtsumme um 150.000 £ auf 750.000 £, und der Sieger erhält erstmals 150.000 £. Für 2027 hat die PDC ein Feld von 48 statt 32 Spielern, sechs Spieltage und 1.000.000 £ Gesamtpreisgeld angekündigt.
Organisationen weiten ein Event nicht um 50 Prozent an einem Ort aus, den sie für nebensächlich halten. Das Turnier war zudem viel unterwegs (Frankfurt, Hoofddorp, Dinslaken, Düsseldorf, Hasselt, Göttingen, Salzburg), doch seit 2022 ist wieder Dortmund eingeplant. Für uns klingt das nach einer Sportart, die mehrere Adressen ausprobiert hat und bei der geblieben ist, die funktioniert.
Unsere Haltung: Ein größeres Feld ist die richtige Entscheidung, aber nur, wenn das Produkt scharf bleibt. 48 Spieler bedeuten wahrscheinlich mehr Erstrundenspiele, und der Zauber aus Neun-Darter und Überraschungen in dieser Woche hängt davon ab, dass in jedem Match viel auf dem Spiel steht.
Die Lücke im Plan: Deutschland braucht eigene Helden
Jetzt wird es unbequem. Die eigene deutsche Vertretung wirkt dünn. Schindler gilt als deutsche Nummer eins, Springer als neue Nummer zwei, doch ein Heimpublikum braucht mehr als einen Namen, der in die zweite Runde kommt. Schindler sollte in der Abendsession am Samstag auf Jermaine Wattimena treffen; wie das ausging, wissen wir nach unserem Recherchestand nicht.
Würden wir die Deutschland-Strategie der PDC verantworten, stünde die Nachwuchsförderung an erster Stelle: mehr lokale Wege nach oben, mehr deutsche Spieler mit Erfahrung auf der European Tour und eine Berichterstattung, die Gelegenheitsfans leicht erreichen. Das Turnier wird über Sport1 bei Joyn gestreamt, das ist ein Anfang. Deutschland liebt das Event; nun braucht es Spieler, die diese Liebe erwidern.
Den Kalender um Dortmund bauen, dann in den nächsten deutschen Namen investieren
Dortmund beweist nicht, dass Deutschland der einzige Wachstumsmarkt des Darts ist. Das können wir aus dieser Beleglage nicht sagen, und das sollte niemand. Es legt aber nahe, dass das dramatischste Wochenende der Sportart am besten vor diesem Publikum funktioniert. Man sollte den Kalender darum herum aufbauen, das Feld mit Bedacht vergrößern und vor allem in den nächsten deutschen Namen investieren, der die Westfalenhalle füllen kann. Gastgeber zu sein ist leicht. Den Helden hervorzubringen ist der schwere Teil.
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