Karetsas entscheidet für den BVB, doch Guirassys Oberschenkel ist der wahre Königsklassen-Test
Karetsas und Silva schlagen Betis, und Kovacs Kadertiefe wirkt echt. Doch ein verletzter Stürmer zeigt, wie dünn die Decke in den schweren Spielen werden könnte.
Foto: Arne Müseler / www.arne-mueseler.com / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 de)
Ist eine Mannschaft, die mit einem 18-Jährigen von der Bank gewinnt, in der Breite stark, oder hat sie nur Glück, dass ihr Star-Stürmer im richtigen Moment ausfällt? Der 2:1-Sieg von Borussia Dortmund gegen Real Betis am Mittwochabend macht es schwer, dieser Frage auszuweichen. Unsere Antwort ist unbequem: beides.
Was im Signal Iduna Park geschah
Dortmund war die bessere Mannschaft, vergab aber seine frühen Chancen, und Serhou Guirassy musste in der 34. Minute mit einer Muskelverletzung raus. Laut SID via ligaportal.at traf Fabio Silva in der 49. Minute nach einem Abpraller, Aitor Ruibal glich in der 67. Minute aus, und Konstantinos Karetsas, Guirassys Ersatz, erzielte in der 72. Minute mit einem platzierten Linksschuss das Siegtor. Es war das erste Tor des 18-Jährigen für den Verein.
Nach dem Spiel sagte Niko Kovac, er glaube nicht, dass es mehr als eine Zerrung sei, fügte aber hinzu, Guirassy habe nicht weiterspielen können und der Klub habe kein Risiko eingehen wollen, wie der SID berichtete. Sportdirektor Ole Book sprach von einer Muskelverletzung, wusste aber nicht, wie schwer sie ist. Guirassy hat in dieser Saison acht Pflichtspieltore erzielt.
Der Teenager ist ein Gewinn, und Kovac verdient Anerkennung
Karetsas hat nicht nur getroffen. Welt beschreibt, wie seine schnellen Dribblings die spanische Abwehr nach seiner Einwechslung immer wieder in Probleme brachten. Er sagte auch, er habe vom Trainer nur wenige Anweisungen bekommen. Wir werten das als gutes Zeichen: Ein Teenager, der in ein Champions-League-Spiel kommt und ohne Angst auftritt, sagt etwas über das Umfeld aus.
Auch Silva, der neben Guirassy in der Startelf stand, nutzte seine Chance. Hinzu kommt, dass Kovac nach der Viererkette im Spiel gegen Bayern wieder auf eine Dreierkette mit Waldemar Anton in der Mitte umstellte. Das Bild ist das eines Trainers, der sich anpasst, statt ein System durchzudrücken. Aus unserer Sicht zählt diese Flexibilität mehr als jedes einzelne Ergebnis. Kader, die an solchen Abenden gewinnen, bestehen selten aus elf Namen, und Kovac behandelt seinen offenkundig nicht so.
Eine gute Nacht ist aber kein Ersatzplan
Hier ist Vorsicht geboten: Uns fehlen die Zahlen, um zu behaupten, Karetsas könne Guirassy über eine Saison ersetzen, und wir tun auch nicht so. Wir können nur sagen: Ein Tor eines Einwechselspielers ist ein guter Abend, kein Plan. Unserer Ansicht nach schmeichelt das Betis-Spiel Dortmund ein wenig. Die ersten großen Chancen der Partie hatte Guirassy, und die frühe Überlegenheit schlug sich erst nach der Pause im Ergebnis nieder. Zudem beschreiben mehrere Medien die Verletztenliste als wiederkehrendes, wachsendes Problem.
Das Problem ist der Spielplan. Laut SID stehen die schwersten Champions-League-Prüfungen noch aus: Arsenal am 24. November, danach Inter Mailand und Aston Villa. Dortmund rückte näher an die Top Acht der Tabelle heran, doch in diesen Spielen ist der Ausfall eines Stürmers keine Wohlfühlgeschichte mehr. Ein jugendlicher Joker kann Betis überraschen; ob er das auch gegen besser organisierte Abwehrreihen kann, ist ehrlich gesagt Spekulation. Und ein Team, das einen Überraschungseffekt zum Siegen braucht, hat wenig Spielraum für Fehler.
Unser Fazit
Genießen Sie den Betis-Abend, und Karetsas und Silva gebührt ihr Lob. Doch Dortmunds eigentlicher Test ist nicht, ob ein junger Einwechselspieler ein Spiel gewinnen kann, sondern ob der Klub sein Gerüst der Stammspieler, Guirassys Oberschenkel eingeschlossen, schützen kann, bevor der Spielplan härter wird. Fällt der medizinische Befund gut aus, wirkt dies wie eine Mannschaft im Aufwind. Wenn nicht, ist der Spielraum, mit dem Kovac arbeitet, kleiner, als der Jubel am Mittwoch vermuten lässt.
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