Barças neun Siege in Folge sind stark, doch Mourinhos Clásico ist die eigentliche Prüfung
Flicks Team hat einen Rekord von Real Madrid aus der Saison 1968/69 eingestellt. Ein Clásico gegen Mourinho zeigt, ob das System trägt oder die Serie nur schmeichelt.
KI-generiertes Bild
Beweist ein perfekter Start eine große Mannschaft – oder nur, dass noch niemand ihr unangenehm geworden ist? Am Sonntag, dem 25. Oktober, um 21:00 Uhr Ortszeit in Spanien bekommt Barcelona seine Antwort, und die Frage stellt José Mourinho.
Die Ausgangslage: Wie Goal berichtet, hat die Mannschaft von Hansi Flick mit dem 5:2 gegen Real Betis den besten Start der LaLiga-Geschichte eingestellt: neun Siege aus neun Spielen. Das gelang zuvor nur dem Real Madrid von 1968/69. Barça hat in diesen neun Partien 39 Tore erzielt. Ein Sieg gegen Madrid im Camp Nou wäre der zehnte in Folge – eine Bestmarke, die dann allein dastünde.
Madrid kommt mit eigenen Themen. Mourinhos Team gewann unter der Woche in der Champions League 4:1 gegen Leipzig, und er nutzte die Pressekonferenz, um sich zu beklagen, dass seine Spieler 24 Stunden weniger Pause haben als die Barcelonas, wie El Confidencial festhält.
Die Serie ist real, doch beeindruckend sollte etwas anderes sein
Neun Siege sind eine Schlagzeile. Dreizehn verschiedene Torschützen sind die eigentliche Geschichte. Goal weist darauf hin, dass sich dieses Team nicht auf einen Mann stützt, und wir halten das für wichtiger als den Rekord selbst. Serien können auf Abschlussglück und leichten Gegnern beruhen. Eine so breit verteilte Torlast deutet auf eine Struktur hin, die Chancen auf mehrere Arten erzeugt.
Dennoch sollten wir ehrlich sein, was die Zahlen nicht verraten. Unter den neun Spielen ist die Partie gegen Betis, die 5:2 endete – das sind auch für den Gegner viele Tore. Sports Mole vermerkte Anfang Oktober, dass Barça in den ersten sieben Ligaspielen sieben Gegentore kassiert hatte. Ein Team, das 4,33 Tore pro Spiel erzielt, kann auch mit lockerer Defensive gewinnen. Gegen die meisten Gegner bestraft das niemand. Gegen eine Mannschaft von Mourinho, so vermuten wir, wird es jemand versuchen.
Mourinhos Markenzeichen: den Gegner unbehaglich machen
Mourinho ist kein Trainer, der dem Tempo eines Spiels hinterherläuft. Unserer Ansicht nach diktiert er es eher, und seine eigenen Worte deuten darauf hin: Er sagte, sein Team habe die erste Halbzeit gegen Leipzig „in niedrigem Rhythmus“ gespielt und „wenn wir den Rhythmus erhöhen, ist das eine andere Geschichte“. Das klingt nach einem Trainer, der glaubt, bei Bedarf einen Gang höher schalten zu können.
Das ist der Test. Schwung trägt eine Mannschaft, solange die Spiele für sie laufen. Ein System hält, wenn die Partie zäh wird, wenn der Gegner tief steht oder konternd zuschlägt. Hängt Barças Ertrag von Rhythmus und Selbstvertrauen ab, wird eine zähe, hässliche erste Stunde das offenlegen. Hängt er von Abläufen ab, die unabhängig vom Spielstand funktionieren, werden sie weiter die Lücken finden, die ihre Gegner nicht schließen konnten.
Wir tendieren zum System. Flick hat laut der Spielvorschau von Aerobús Barcelona sechs seiner letzten sieben Duelle mit Madrid gewonnen, und der Meistertitel der vergangenen Saison wurde mit einem 2:0 gegen sie im Camp Nou besiegelt. Diese Bilanz gehört dem Trainer, nicht der aktuellen Serie. Zudem treffen Flick und Mourinho erstmals aufeinander, die Historie reicht also nur begrenzt.
Warum Madrid gefährlicher ist, als seine Form vermuten lässt
Madrid ist nicht dieselbe Mannschaft, die Flick bisher geschlagen hat. Es startete mit drei Siegen in Folge in die Saison, und Mourinhos Rückkehr in den Clásico ist, so erwarten wir, ein Spiel, auf das er sich geradezu besessen vorbereiten wird. Die Klage über die 24 Stunden Erholung ist unserer Ansicht nach teils Psychospiel, teils ein echtes Problem: Beide Teams spielten diese Woche in der Champions League, und Madrid hat bald eine Reise nach Athen und ein Spiel gegen Valencia im Abstand von zwei Tagen vor sich. Der Clásico ist ein seltener Moment, in dem er von seinen Spielern alles verlangen kann.
Mourinho sagte außerdem, vor einem Clásico gebe es kein Selbstvertrauen, und ihn ein Spiel wie jedes andere zu nennen, sei „zu lügen“. Wir lesen das als Druckverlagerung. Der Druck liegt bei dem Team, das einen Rekord zu verlieren hat.
Unser Urteil
Barcelona sollte zu Hause Favorit sein, und wir würden nicht gegen die Katalanen wetten. Interessant ist aber nicht Sieg oder Niederlage, sondern das Wie. Ein Sieg, bei dem Madrid tief verteidigen muss und Barça trotzdem aus mehreren Richtungen Chancen kreiert, würde zeigen: Das ist ein System. Ein Sieg, der auf einer einzigen starken Halbzeit beruht, oder ein Remis, bei dem die Maschine stockt, würde zeigen, dass die Serie viel dem Spielplan verdankte.
Unser Rat: Barcelona nicht am zehnten Sieg messen, sondern an dem, was die Mannschaft in den Phasen zeigt, in denen Mourinho ihr die einfachen Optionen genommen hat.
Noch keine Themen: Eröffne das erste.
Weitere Artikel
Atlético-MGs zweites Finale in Folge ist Brasiliens Warnsignal
Atlético-MGs zweites Sudamericana-Finale in Folge spricht für brasilianische Konstanz. Boca Juniors wird jedoch zeigen, ob die Kaderbreite auch die härteste Prüfung besteht.
Osimhens Galatasaray-Wechsel ist eine Transferwaffe, kein Umweg
Victors Osimhens Rückkehr nach Lille zeigte, wie Champions-League-Momente die Verhandlungsposition eines Stürmers stärken können – Galatasaray muss daraus jedoch dauerhafte europäische Glaubwürdigkeit machen.
Bayerns Arsenal-Test dreht sich um Kontrolle, nicht um Kimmichs Ersatzmann
Joshua Kimmichs Fehlen macht Bayerns Champions-League-Duell mit Arsenal zu einer schärferen Prüfung für Vincent Kompanys Struktur, Autorität und taktische Flexibilität.
PSG-Interesse an Maza stellt Leverkusens Zukunftsmodell auf die Probe
Das gemeldete Interesse von PSG an Ibrahim Maza legt die unbequeme Grenze von Bayer Leverkusens Modell offen: Talente zu entwickeln ist nur nachhaltig, wenn sie lange genug bleiben, um es anzuführen.



