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Antonellis Titelchance in Austin ist ein Urteil über Russell und Mercedes

Ein Teamkollege könnte in Texas einen Rekordtitel perfekt machen. Die eigentliche Frage ist, was das über Russells Saison sagt und wie Mercedes sie erzählen wird.

Veröffentlicht
22. Oktober 2026
Lesezeit
3 min
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Was, wenn das Interessanteste an Kimi Antonellis erster Titelchance nicht der Rekord ist, sondern wer neben ihm steht, wenn er sie nutzt? Der Mann im anderen Mercedes ist sein engster Verfolger und muss vielleicht bald zusehen, wie sein Teamkollege die Weltmeisterschaft gewinnt.

Die Fakten sind einfach. Laut grandprix.com reist Antonelli mit 340 Punkten zum Grand Prix der USA, 102 vor Russell. Um am Sonntag, dem 25. Oktober, den Titel perfekt zu machen, braucht er drei Dinge zugleich: einen Sieg, Russell auf Platz neun oder schlechter und Hamilton auf Platz fünf oder schlechter. Ein Sieg mit Russell auf Rang acht oder Hamilton auf Rang vier hält den Kampf offen. Käme es dazu, wäre er mit 20 Jahren der jüngste Weltmeister aller Zeiten und würde den Rekord von Sebastian Vettels Titel 2010 übernehmen.

Der Punkterechner lenkt ab; die Saison hat die Frage längst beantwortet

Austin ist ein anspruchsvolles Szenario, und wir würden nicht darauf wetten, dass alle drei Bedingungen an einem Nachmittag eintreten. Aber das ist fast nebensächlich. Wie Ouest-France schreibt, lautet die Frage nicht mehr, ob er Weltmeister wird, sondern wann.

Ein Blick darauf, wie der Vorsprung entstand: Seit der Sommerpause hat Russell laut demselben Bericht in sechs Rennen 70 Punkte geholt, Antonelli dagegen 126, auch dank zweier Siege. Außerdem hat Antonelli acht Siege gegenüber Russells drei, und beim Gleichstand zählen zuerst die Siege. Das ist keine Glückssträhne, sondern eine Saison der Verlässlichkeit. Unserer Ansicht nach wird dieser Titel mit Konstanz gewonnen, nicht mit Hype, und der Rekord ist nur deshalb die Schlagzeile, weil die Grundlagenarbeit so unspektakulär war.

Russells Pech ist real, erklärt aber keine 102 Punkte

Man sollte Russell gegenüber fair sein. Seine zweite Saisonhälfte litt unter Strafen für die Antriebseinheit und technischen Problemen, und in Singapur kämpfte er sich nach einem Start aus dem hinteren Feld infolge von Mercedes' Motorwechseln noch auf Platz neun vor. Früher im Jahr sagte er nach seinem Ausfall in Kanada: „Es fühlt sich an, als wolle jemand nicht, dass ich um diese Meisterschaft kämpfe oder antrete“, wie Formula1.com festhielt.

Beides kann stimmen. Pech erklärt einen Teil des Rückstands, aber nicht 102 Punkte. Die ehrliche Lesart lautet unseres Erachtens, dass Russell diesen Titel in den kleinen Margen verloren hat, an den Wochenenden, an denen aus einem guten Auto nur ein durchschnittliches Ergebnis wurde, während sein Teamkollege weiter Podestplätze sammelte. Antonelli hat in diesem Jahr 14. Das Material kostete Russell Punkte, doch ein Abstand dieser Größe hat nie nur mit dem Material zu tun.

Mercedes muss die teaminterne Geschichte verantworten, nicht verwalten

Hier würden wir das Team in die Pflicht nehmen. Ein 20-jähriger Fahrer, der mit 102 Punkten führt und kurz davorsteht, einen seit 2010 bestehenden Rekord zu brechen, ist ein Geschenk. Ein Teamkollege, der den Titel durch Strafen und Defekte entgleiten sah, ist die andere Hälfte des Pakets. Mercedes darf das nicht als getrennte Geschichten behandeln.

Unser Rat: Antonelli feiern, ohne Russells Jahr umzuschreiben. Klar benennen, was die Strafen und Defekte gekostet haben, und nicht so tun, als seien sie unwichtig gewesen. Davon hängt die Glaubwürdigkeit des Teams gegenüber seinem nächsten Fahrer und dem, den es schon hat, ab. Berichten zufolge könnte Russell eine weitere Strafe für die Antriebseinheit bis Las Vegas aufschieben, um sein Wochenende in Austin nicht zu belasten. Genau eine solche Entscheidung sollte ein Team offen erklären, weil sie den Verlauf der letzten Rennen mitbestimmt.

Der Joker liegt wie immer außerhalb des Fahrerlagers. Hamilton mit 229 Punkten und ein spätes Ferrari-Update könnten die Rechnung verkomplizieren. Und SB Nation weist darauf hin, dass der Nahostkonflikt den Kalender bereits ein Rennen gekostet hat und über die letzten Läufe noch entschieden werden muss; selbst die Zahl der noch zu vergebenden Punkte kann sich also ändern.

Fazit

Antonelli dürfte bald Weltmeister sein, ob in Austin oder in einem der nächsten Rennen. Unserer Einschätzung nach geht es in Texas weniger um den Pokal als um die Erzählung: Gewinnt er und wird Russell Achter oder besser, ist die Feier nur verschoben. So oder so bleibt die Lehre dieselbe. Der Hype hat diese Meisterschaft für alle verloren, die sie jagten, und Beständigkeit hat sie dem Jungen aus Bologna gebracht. Mercedes sollte das sagen, und zwar fair.

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